Anbindung des ÖPNV verbessern

Im Vergleich zu vielen anderen Städten und Kommunen ist die Anbindung mit dem Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zweifellos sehr gut. Doch man setzt diese grundsätzlich gute Anbindung seit Jahren fahrlässig aufs Spiel.

Die Infrastruktur insbesondere von S- und U-Bahn ist stark vernachlässigt worden, was Kunden seit Jahren immer wieder merken. Einzelne Ausfälle legen ganze Strecken lahm, andauernd gibt es Reparatur- und Modernisierungsarbeiten (teilweise parallel von BVG und S-Bahn) und die Stromtrassen sind nicht angemessen ausgebaut, so dass Abfahrten aufeinander abgestimmt werden müssen, damit der Strom ausreicht.

Doch nicht nur die Infrastruktur ist ein großes Problem in Berlin, auch die Verkehrsmittel selber, wie Bahnen und Busse. Neubestellungen sind viel zu lange hinausgezögert und Wartungskapazitäten abgebaut worden. Nun spürt man das Resultat: Immer mehr Bahnen und Busse fallen aus oder müssen öfter in die Werkstatt. Und bis die neuen Bahnen kommen, dauert es noch Jahre.

Der Senat als Auftraggeber ist hier aufgefordert, noch mehr Druck auszuüben und langfristige Planungen einzufordern.

Ausbau von U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn

Wenn man sich das Berliner Schienenverkehrsnetz näher anschaut, erkennt man (oftmals historisch durch die Teilung begründet) zahlreiche Lücken. Diese Lücken führen dazu, dass Umstiege notwendig oder sogar ganze Gebiete nur mit dem Bus erschlossen sind. Insbesondere in den Außenbezirken führt es dazu, dass die Anwohnerinnen und Anwohner oftmals sogar noch auf das Auto angewiesen sind. Hinzu kommen die Lücken im innerstädtischen Bereich.

Um die notwendige Mobilitätswende zu erreichen und alle Bürgerinnen und Bürger mit einer besseren Anbindung an das ÖPNV-Netz zu versehen, muss Berlin also massiv in die Infrastruktur und damit in den Ausbau des Schienenverkehrsnetzes investieren. Das bedeutet mehr S-Bahn, mehr Straßenbahn und auch mehr U-Bahn.

Dabei sind Straßenbahnen derzeit das erste Mittel der Wahl. Straßenbahnstrecken sind in deutlich kürzerer Zeit zu realisieren als U-Bahn-Verbindungen. Und während man bei einer 1 km langen Straßenbahnstrecke von Kosten in Höhe von ca. 10-20 Mio. Euro ausgeht, kommen bei der gleichen Länge für die U-Bahn ca. das 10-fache an Kosten auf einen zu.

Zudem fallen bei Straßenbahnen während der Bauzeit die oftmals starken Beeinträchtigungen auf den Strecken weg, denn bei U-Bahnen würde es über lange Zeiträume hinweg zu massiven oberirdischen Verkehrsbehinderungen kommen.

Neben den zuvor genannten drei entscheidenden Nachteilen “Zeit, Kosten und Komplexität”, haben U-Bahnen allerdings auch drei Vorteile, insbesondere gegenüber Straßenbahnen. Sie sind als Verkehrsmittel deutlich schneller, können deutlich größere Strecken abdecken und weisen eine höhere Kapazität an Fahrgästen auf.

Als Ergebnis der Abwägung der aufgeführten Punkte müssen auch in den Westbezirken verstärkt Straßenbahnstrecken entwickelt und etabliert werden. Neben bestimmten Hauptstrecken in die westlichen Bezirke hinein, können neben diesen neuen Stammstrecken auch einfacher Verzweigungen eingerichtet werden.

Dennoch muss auch der Bau von Straßenbahnstrecken mit Augenmaß erfolgen. In vielen Straßen ist aufgrund der dortigen Verhältnisse eine Straßenbahnlinie nicht sinnvoll oder gar möglich. Hier sollten dann sinnvollerweise doch eher Busse (möglichst sogar gleich E-Busse) eingesetzt werden.

Anbindungen und Taktung verbessern

Neben der grundsätzlichen Anbindung an das Schienen- und das Busnetz muss auch über Streckenführungen, Taktungen und Endpunkte nachgedacht werden. Auf einigen Strecken sind leider auch heute noch (vorgeblich aufgrund niedrigerer Auslastung) vorgezogene Endhaltestellen, lange Taktzeiten oder ein Auslassen von (wichtigen) Haltestellen an der Tagesordnung.

Beschleunigte Umsetzung des Fahrstuhlprogramms der BVG

Gut funktionierende öffentliche Verkehrsmittel sind ein wesentlicher Teil für ein angenehmes und lebenswertes Umfeld. Neben der Anbindung (siehe oben) ist aber auch der Zugang hier ein wesentlicher Bestandteil. Bei vielen U-Bahnhöfen ist dies leider immer noch nicht der Fall – so z. B. auch an mehreren Bahnhöfen in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die Bahnhöfe sind weiterhin nicht behindertengerecht mit einem Aufzug versehen worden. Noch immer bedeutet das für Menschen mit Rollstühlen, Gehhilfen, Problemen beim Treppensteigen oder mit Kinderwagen oft einen Umweg mit dem Bus. Als Vater eines kleinen Kindes weiß ich, dass hier der Druck auf die BVG zur schnelleren Umsetzung des Aufzugprogramms erhöht werden muss.

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